exploring the unknown

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das geschriebene wort als
quelle der klangorgane...

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exploring the unknown basiert auf einem nachgelassenen,
handschriftlichen manuskript eines bis dato unbekannten
künstlers? names ewald wand.
in der erbmasse eines der mietglieder von wa fand sich ein
schmales schreibheft, datiert auf den 15.10. 1954.
in diesem wird unter anderem die geräuschhafte
welterfahrung eines sogenannten schizophrenen sehr
detailreich beschrieben. es ist als tagebuch angelegt und
beginnt mit den extremen klang-sensationen im 2. weltkrieg,
berichtet in der ich-form von eindrücken des tages und der
nacht, der kindheit und des erwachsensein.
auch werden beklemmende situationen evoziiert, in die der
ich-erzähler eintaucht und uns dabei, anscheinend ungefiltert,
an seinen audiovisuellen halluzinationen teilhaben lässt.
nach der lektüre dieser ungewöhnlichen aufzeichnungen
hat sich weltausstellung entschlossen eine
vetonung des manuskripts zu versuchen.

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erste kapitel als cdr!
audio-icon next to the title:

sie werden wiederkommen
ein grosser bogen spannt sich über die berge des wahnsinns
(schichtung von 3 zithern, angetrieben von nervös rotierenden
milchaufschäumern)
durch die täler des trübsinns
(sehr tief-gründige kontrabass-modulationen)
bis zur instabilen normalität des alltäglichen
(dem hilfreichen ineinandergreifen der instrumente).

exploring the unknown
"you'll never know what happens next"
wie bei einer ungewissen bahnfahrt durch fremde
regionen wechseln die eindrücke ständig.
nebenbei: eine hommage an pierre schaeffer,
der die zugfahrt als ein lieblingsthema
sehr früh in musique concrete wandelte.

das theater der kindheit
oder die strafe im spielzeugland!
kinderklavier, fiepsige orgel, glockenspiel und zither
bilden ein plakatives, nettes sound-interieur, aber die stimmen
künden von einem uns unbekannten unheil in dieser scheinbar
heilen welt.

cheap vibrations
verstärkte, modulierte schwingungen billiger, elektrischer
küchengeräte mutieren zu einer grössenwahnsinnigen
motorensinfonie. bombast!

holzkopf und eisenherz
(sprung aus der zeit_urversion).
zithern in gebrochener spielweise werden live gesampelt
und damit freigesetzt für allerlei modulationsspielereien.
die collage thematisiert den material-klang von saite
und korpus (metal und holz).
der pfiff am ende ironisiert die ernsthaftigkeit,
die man dem stück unterstellen könnte.

radio-active gaga-ku-jazz
vage angelehnt an alte japanische gagaku musik.
nach dem geheimen tempel-ritual explodiert
ein sich ungehemmt entwickelndes fiasko aus
papierdrums, flotenklappengeräuschen, einem
im raum schwingenden metaldraht und einer
tuba-kulösen elektronik, dass man glaubt das
terrain des freejazz zu betreten oder vielleicht
doch eher das von hiroshima-fukushima.

die schlafwandler
lullaby-gebrauchsmusik für den neo-romantiker?
nein, eine verlangsamte, hypnotische folk-antiquität!
...und ein somnambulismus mit dem hang hoch
hinaus zu wollen, aber doch nirgends anzukommen.

electronic paper
kurzer anfall!
heftiges schütteln einer grossen papierbahn,
reissen, knüllen, schlagen von zeitungen.

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(prepared) zither, double-bass, electric cymbals,
paper,paper-drum, chinese violine, flutes, electronic
devices, metal-string, rotating devices, glockenspiel,
electro-motors, bell, toy-piano, live-sampling, organ,
tape-manipulation, violine-zither, triangel,
voice und found-sound-objects.

uraufführung: 2011:::künstlerhaus:::dortmund