piano_bang!bang!shock!culture



"Ausgehend von der durch John Cage eingeführten Idee
des präparierten Klaviers, das Klangspektrum des Pianos
um eine variable Palette von z.B. perkussiven Effekten und
Flageoletttönen zu erweitern, machte Weltausstellung den
Akt der Präparation selbst zum performativen Akt und zur
musikalischen Improvisation.

Stets umringt von mindestens drei Musikern bewaffnet mit
ungewöhnlichen Werkzeugen, wurde der Konzertflügel,
als befände er sich auf einem experimentellen Seziertisch,
einem Akt klangforscherischer Chirurgie unterworfen.
Mal gerieten die Saiten des Flügels durch Milchaufschäumer
in ebenso heftige wie dichte Resonanz, mal setzten
aufgelegte Schaumstoff- und Styroporklötze spektakuläre
dynamische Akzente. Schließlich wurden die Saiten, um
Klebebänder verlängert, in die finale Schwingungsverdichtung
versetzt.
Über Mikrofone wurden zusätzlich einige Passagen der
Performance durch elektronische Signalwege bearbeitet
und sehr subtil wieder über Lautsprecher zur spannungs-
geladenen akustischen Summe hinzugemischt. So ergab
die Improvisation ein sehr organisches und abwechslungs-
reiches klangliches Gesamtbild. Jeder Gegenstand fungierte
hier nicht nur als vordergründiger performativer Effekt,
sondern fand eine tragende klangliche Rolle in einer Palette
ungewöhnlicher musikalischer Werkzeuge. Weltausstellung
ist damit eine jederzeit überzeugende musikalische Impro-
visation gelungen, deren Performance-Charakter nie bemüht
wirkte und ein fast theaterhaft sprechendes Bühnengesamtbild
ergab."

zitiert aus: Axel Ganz/jahrgangsgeraeusche


uraufführung: 2010:::tasten10-festival neuer musik:::düsseldorf